Am 22. Februar 2026 kam es zu einem großflächigen Stromausfall von rund 45 Minuten in Villingen-Schwenningen und der Region. SVS-Geschäftsführer Gregor Gülpen blickt zurück auf die Aufarbeitung mit dem vorgelagerten Übertragungsnetzbetreiber und erklärt, warum die SVS jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag in die Versorgungsnetze von Strom, Gas, Wasser und Wärme investiert.
Herr Gülpen, am 22. Februar 2026 kam es zu einem großflächigen Stromausfall in der Region. In einem Umspannwerk trat gegen 13.30 Uhr eine technische Störung auf, durch die viele Haushalte von der Stromversorgung getrennt wurden. Fünf Wochen sind seitdem vergangen – wie verlief die interne Aufarbeitung und die Abstimmung mit dem vorgelagerten Übertragungsnetzbetreiber?
„Die Aufarbeitung verlief sehr reibungslos und der Fehler konnte schnell identifiziert werden. Im Grunde hat sich das Netz mit seinen integrierten Schutzmechanismen genau so verhalten, wie es vorgesehen ist. Durch die Störung griffen diese Mechanismen und verhinderten größeren Schaden. Wichtig ist dabei auch zu betonen, dass wir bereits nach rund 45 Minuten die vollständige Stromversorgung wiederherstellen konnten. Unsere Mitarbeitenden waren im Dauereinsatz und alle Notfallübungen, die wir regelmäßig durchführen, haben sich in dieser Situation ausgezahlt – die Abläufe haben sehr gut ineinandergegriffen.“
Der Stromausfall dauerte rund 45 Minuten, dennoch war teilweise von einem Blackout die Rede.
„Das hat mich ehrlich gesagt überrascht. Mit dem Begriff ‚Blackout‘ sollten wir deutlich defensiver umgehen. Es handelte sich weder um einen mehrtägigen Ausfall, noch war ein ganzes Bundesland betroffen. Nach 45 Minuten lief die Stromversorgung wieder stabil. Am darauffolgenden Montag kam es noch einmal zu einem kurzen Ausfall von etwa zehn bis 15 Minuten. Solche Ereignisse sind außergewöhnlich, denn über viele Jahre hinweg liegen wir mit unserer durchschnittlichen Ausfallsdauer deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Das belegt der sogenannte SAIDI‑Wert der Bundesnetzagentur Jahr für Jahr. Im Jahr 2024 lag dieser für die SVS bei lediglich rund zehn Minuten für das gesamte Jahr.“
Um diesen Wert niedrig zu halten, investiert die SVS hohe Summen in die Netze.
„Das ist richtig. Unsere Versorgungsnetze erstrecken sich über rund 3.000 Kilometer in der Region, davon entfallen 1.457 Kilometer auf Stromleitungen. Allein in den Ausbau und die Instandhaltung unserer Netze investieren wir jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag. Diese Investitionen sind für uns von zentraler Bedeutung, da sie maßgeblich zur Versorgungssicherheit von heute und morgen beitragen. Neben dem Netzausbau und der Netzerneuerung setzen wir auch auf personelle Stärke: An 365 Tagen im Jahr stehen zehn Mitarbeitende in Rufbereitschaft zur Verfügung, zusätzlich ist unsere Netzleitstelle rund um die Uhr besetzt. So stellen wir sicher, dass wir im Störungsfall – wie eben am 22. Februar – schnell reagieren und vor Ort eingreifen können.“
Wie viele Störungen verzeichnet die SVS über das Jahr gesehen?
„Im Jahr 2025 hatten wir im Niederspannungsnetz insgesamt 71 Störungen. Dabei handelt es sich sowohl um kleinere als auch um größere Ereignisse, die unsere Mitarbeitenden zügig beheben konnten. Die Bandbreite der Störungen reicht hier vom Bagger, der bei Tiefbauarbeiten ein Kabel erwischt, bis hin zum Ast, der bei Baumfällarbeiten das Stromkabel beschädigt und damit eine Störung verursacht. Nicht immer bringt dabei die Ursachenforschung ein Ergebnis, da die Störung nur sehr kurz auftritt und das Netz schnell wieder hochgefahren ist. Im Stadtgebiet versorgen wir insgesamt 54.633 Haushalte. Von den Stromausfällen, die oftmals nur wenige Minuten dauern, waren über das gesamte Jahr hinweg lediglich 382 Haushalte betroffen. Im 20‑kV‑Netz, also in der Mittelspannung, kam es lediglich zu drei Störungen. Der größere Stromausfall im Februar ist daher zum Glück eine absolute Ausnahme. Und für solche Fälle sind wir sehr gut vorbereitet.“
Sie haben es angesprochen: Die SVS investiert hohe Millionenbeträge in die Versorgungsnetze. Liegt der Schwerpunkt eher auf der Erneuerung oder auf dem Ausbau des Stromnetzes?
„Ein Blick in die Statistik zeigt, dass wir beides konsequent vorantreiben. Vergleicht man die Jahre 2015 und 2025, ist die Länge unseres Nieder- und Mittelspannungsnetzes in den vergangenen zehn Jahren um 136 Kilometer angewachsen. Allein im Jahr 2025 haben wir auf einer Gesamtlänge von rund 4,3 Kilometern unsere Leitungen verstärkt und auf einer Länge von rund 6 Kilometern erneuert. Diese Zahlen zeigen deutlich: Wir modernisieren unsere Netze teilweise weit vor dem Ende ihrer technischen Lebensdauer, um eine hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig investieren wir gezielt in den Ausbau, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.“
